Aktuelles



Das Finanzministerium als Eigentümer des Schlossberg-Areals hat 2013 entgegen dem Protest unseres Vereins einen Wettbewerb unter Landschaftsplanern zur Gestaltung der Grundfläche des zerstörten Neustrelitzer Residenzschlosses ausgelobt. Durch eine Jury unter Mitwirkung von Vertretern unserer Stadt wurden die Verfasser des nachfolgenden Entwurfs als Wettbewerbssieger gekürt:



Neben der Absicht, Gras über die noch vorhandenen Keller des neuen Schlossteils wachsen zu lassen, beinhaltet dieser Entwurf vor allem die Errichtung von 80 Stck. 15 m hohen Holzmasten zur Nachbildung des Bauvolumens des alten Schlossteils, zwischen denen Vorhänge eine „textile Architektur“ darstellen könnten.



Für äußerst kritikwürdig halten wir zunächst die Idee des „weithin sichtbaren, leuchtenden Windspiels“ (jeder Besucher unserer Festspiele im Schlossgarten kennt die erhebliche Windbelastung auf dem Schlossberg, hinzu käme nun eine erhebliche Lärmbelästigung durch knatternde Textilbahnen – und nur mit diesen Textilbahnen wird die beabsichtigte Raum füllende Wirkung erreicht – oder will man gerade in den Besucherhochzeiten unserer Festspiele auf diese eigentliche Wirkung verzichten?)

Vor allem aber soll der bedeutendste noch vorhandene bauliche Rest des Residenzschlosses, der Keller des neuen Schlossteils nach jahrelanger Schädigung durch Verwahrlosung nicht etwa gesichert, geschützt und sichtbar gemacht, sondern verfüllt werden. Durch eine Wiesenfläche soll an den Zustand vor Errichtung des Erweiterungsbau erinnert werden – denkmalpflegerisch ein Rückgriff auf längst überholte Zeiten vergangener Auffassungen von Denkmalpflege, heißt es doch seit Mitte des 20. Jahrhunderts in anerkannten Grundsätzen: „Die Beiträge aller Epochen zu einem Denkmal müssen respektiert werden …“

Für einen angemessenen Umgang mit der Gründungsstätte unserer Stadt hatte unser Verein in breitem Konsens mit Bürgern der Stadt und seinerzeit auch der Stadtverwaltung bereits 2009 ein Strategiepapier entwickelt, das bis heute nichts an Aktualität verloren hat.




Strategiepapier Schlosskeller Neustrelitz: „Den Schlosskeller erhalten und erleben“

Grundsätze/Thesen:



I. Grundlage:
einzigartige historische und funktionale Bedeutung des Schlossareals und des Bauwerkes Residenzschloss erkennen und sich wieder dazu bekennen
  • Residenzschloss als Gründungszelle der Stadt Neustrelitz und Herrschaftssitz von Mecklenburg-Strelitz, einem Großherzogtum mit internationalen Beziehungen und Botschaften u.a. im russischen Zarenreich oder im Vereinigten Königreich von England
  • Regionales Bewusstsein wecken – Notwendigkeit zum Handeln erkennen
  • Wiederherstellung und Erlebbarmachung eines „Schlossareals“


II. Erschließen und Bewahren was noch vorhanden ist, baulich und historisch
  • Kellerstrukturen sichern und erlebbar machen
  • Vorhandene Bodenbeläge im EG sichern und konservieren
  • Sockel und Fundamentstrukturen sichern
  • Grundriss- und Funktionsstrukturen sichtbar und begehbar machen


III. Entwicklung einer erlebbaren und den Ort belebenden „Denkmalstruktur“
  • Erschließung Darstellung des noch vorhandenen Kellers
  • Die Stadt Neustrelitz und das Residenzschloss als Regierungssitz
  • Residenzschloss und Grundrissstruktur
  • Residenzschloss und Schlossareal mit Garten
  • Residenzschloss und Stadtanlage
  • Residenzschloss zum anfassen/begreifen


IV. Beleben des Ortes und der Rudimente sowie entwickeln einer neuen Identität
  • Information und Aktion vor Ort (Führungen, virtuelles Schloss)
  • Infrastruktur für Touristen und zusätzliche Verweilfunktionen schaffen:
  • Sitzmöbel, Ausblicke zum räumlichen Verständnis
  • ggf. auch: Souvenir, Spendenaktion, Imbiss, WC, Spielplatz, bzw. Nutzung und Einbeziehung bestehender Einrichtungen vor Ort: Ausstellungskirche, Orangerie, Gartenanlage, ...



Grundlegende Maßnahmen zur Umsetzung

1)

Sicherung und Kartierung des Bestandes (KG-Baukonstruktionen, Bodenbeläge EG etc.) und Beschreibung der Funktionen/Funktionsbereiche



2)

Entwicklung eines Konzeptes zur Darstellung/Präsentation des Kellers in Abhängigkeit von der historischen Bedeutung und Funktion sowie der Bestandsqualität, einschl. Begehungs- und Schaukonzept mit Eingangs- und Ausstiegsort, Rundgang, Rettungswegen und weiteren möglichen Funktionen wie Infopunkte (Schautafeln, Info-PC, Souvenirs, WC, Sitz- und Verweilgelegenheit) in Abstimmung mit der Denkmalpflege.

Ablaufplan:
  • Sicherung und Bewahrung der historischen Kellerräume
  • Begehbarmachung der Kellerbereiche
  • Sicherung, Begehbar- und Nutzbarmachung des oberirdischen Bereiches unter Berücksichtigung vorhandener Rudimente mit dem Ziel, das Residenzschloss in seinen Dimensionen und seiner historischen sowie stadt- und gartenräumlichen Bedeutung erfahrbar zu machen
  • Infopunkt „rote Box“ aufstellen mit Schlossbeschreibung und Münzprägeautomat


3)

Gezielte Beräumung, Sanierung und Herrichtung der begehbaren Kellerräume gem. abgestimmtem Rundgang-Konzept sowie Konservierung und Sicherung vorerst noch nicht zu betretender Örtlichkeiten/Bereiche.



4)

Sicherung der noch vorhandenen Bodenbeläge oder Sockelkonstruktionen im Erdgeschossbereich zur Integration in das „Denkmalkonzept“.



5)

Markierende Überdeckung des historischen Kellerareals (z.B. durch eine Stahlbetonplatte) mit Sicherungs-, Trag-, Abdichtungs-, Entwässerungs und Gestaltungsfunktion sowie zur Aufnahme neuer dienender baulicher und touristischer Funktionen, unter Berücksichtigung/Integration historischer Fragmente.

6)

Pflasterung mit farblicher Differenzierung von Wand- und Raumstrukturen um somit der historischen Grundriss auf einer begeh- und nutzbaren Fläche sichtbar zu machen.

7)

Erweiterung der Pflasterfläche auf die nicht unterkellerten Bereiche Schlosses, um die gesamten Schlossausmaße sichtbar zu machen.




Maßnahmen für eine Weiterentwicklung des Standortes, zur Revitalisierung und Entwicklung des gesamten Schlossberges

8)

Zur Gestaltung des Platzes werden Aufbauten benötigt, die z.B. Fixpunkte in der Fläche darstellen, um bestimmte Räume und Funktionen schneller aufzufinden, um weiterhin die Höhendimension des Schlosses an bestimmten Stellen erlebbar zu machen sowie den räumlichen Bezug zur Stadt, zum Garten und zum gesamten Schlossareal herzustellen
  • Darstellung der Höhendimension des Schlosses durch „Abgüsse“ von z.B. selbstaussteifenden Ecksituationen, die ein realistisches Fassadenbild darstellen
  • Der Turm, das Garten- oder Hofportal des Schlosses werden als begehbare, selbsttragende Fragmente erstellt, um einerseits originale, herrschaftliche Garten- und Stadtansichten wieder herzustellen und andererseits die ursprünglichen Fixpunkt im Stadt- und Gartenraum nachzubilden. Weiterhin macht ein erhöhter Ausblick auf den gepflasterten Schlossgrundriss die Struktur und Größe des Schlosses erfahrbar.



  • Die Höhenmarken können baulich gestaltete, sich konstruktiv selbst aussteifende Ecksituationen oder begehbare Fassadenabschnitte sein, an denen die Geschossigkeit, die Gesamthöhen sowie die räumlichen Ausmaße und Gebäudeversprünge des Schlosses ablesbar sind. Weiterhin sollen sie ebenfalls die fehlenden Fixpunkte im Stadt- und Gartenraum punktuell bilden.
  • Höhenmarken: Gartenportalabschnitt, Fassadenecke zur Stadt, zum Schlossplatz und Schlossinnenhof, zum Theater sowie die westliche Ecke des Schlosses (Gestaltungsbeispiel in Anlehnung an die freistehende, wiederaufgebaute Fassadenecke der ehemaligen Schinkel’schen Bauakademie in Berlin)



  • Weiterhin platzgestalterische Aufbauten wie Zargen aus Stahl als Markierung wichtiger Eingänge oder Räumlichkeiten, freistehende Fensterrahmungen zur Darstellung historischer Ausblicke sowie Anordnung von Bänken


9)

Schaffung einer Infrastruktur, die am Ort zum Verweilen einlädt, die informiert und die das fehlende Residenzschloss trotzdem erlebbar macht - als Startpunkt für eine Reise in die Geschichte von Mecklenburg-Strelitz, sowie als zentraler Punkt im Stadt- und Gartenensemble.
Weiterhin sind unter Berücksichtigung der bestehenden gastronomischen Strukturen und angrenzenden Ausstellungsorten touristische Einrichtungen wie Einlass/Eintritt, Regional- und Stadtinfo, WC, Souvenir- und ggf. Spendeneinrichtungen, Imbiss, Kinderspielplatz und Führungen anzubieten/zu berücksichtigen, die das Projekt mitfinanzieren können.